Ist eine datengesteuerte HR-Strategie die Zukunft Ihres Unternehmens?

Man sollte über folgende Qualitäten verfügen, wenn man im Bereich Human Resources arbeitet: Einfühlsamkeit, Entwicklungsfähigkeit und Unvoreingenommenheit. Man sollte einfach nur sanft und freundlich sein. Glauben wir das wirklich immer noch? Als ich in der Personalabteilung tätig war, habe ich festgestellt, dass Menschen dazu neigen, so zu denken. Doch die Welt ändert sich in Richtung eines stärker technologie- und datenorientierten Ansatzes, warum sollte das Personalwesen nicht dasselbe tun?

Ein Gastbeitrag von Louise Koeckhoven

Die weiche Seite von HR Analytics

Immer wenn wir darüber nachdenken, Daten in HR zu verwenden, neigen wir zu der Annahme, dass dies bedeuten würde, dass Personen, die bestimmte Ziele nicht erreichen, auf der Stelle entlassen werden. Dass der menschliche Faktor völlig verschwindet und wir alle nur noch Nummern zwischen vier Wänden sind. Aber was, wenn das nicht stimmt? Was wäre, wenn wir mithilfe von Datenanalysen die besten Kandidaten für unsere Positionen finden könnten; was wäre, wenn wir anhand dieser Zahlen feststellen könnten, wer von unseren Mitarbeitenden zusätzliche Unterstützung braucht; und was wäre, wenn wir unser Onboarding, Offboarding und unsere Schulungsprogramme auf die Umfrageergebnisse stützen könnten, die wir erhalten?

Tipps für den Einstieg in HR Analytics

Wie bei jeder Veränderung muss auch hier für den Erfolg eine Investition erfolgen. Je grössere und bessere Ergebnisse erwartet werden, desto mehr muss investiert werden. Investiert wird in Zeit und Geld und man muss offen für Dinge sein, die sich anfangs unbequem oder schwierig anfühlen. Glauben Sie nicht, dass Ihr Unternehmen nicht bereit dafür ist oder dass es zu komplex ist. Fangen Sie einfach klein an. Hier meine Tipps.

  1. Fangen Sie klein an

Überlegen Sie zuallererst, welche Zahlen für Sie interessant sein können. Wir neigen dazu, von Anfang an zu gross zu beginnen. Wie es 2015 in einer Studie von Theresa M. Welbourne hiess: Die grössten Datenergebnisse (ob aus Human Resources, Buchhaltung oder Marketing) werden nutzlos sein, wenn sie nicht zu einem Dialog führen, der zum Handeln anregt. Wenn wir 100 verschiedene Statistiken bekommen können, würden wir sie gerne haben, aber nutzen wir sie am Ende auch? Fangen Sie klein an, mit Ergebnissen, an die Sie tatsächlich anknüpfen können und erweitern Sie sie dann mit der Zeit.

  1. Auf das Unternehmen abstimmen

Wie für jede Abteilung in einem Unternehmen sollte das Hauptziel der HR-Abteilung darin bestehen, zur Erreichung der allgemeinen Geschäftsziele beizutragen. Werfen Sie also einen Blick auf die Vision und Mission Ihres Unternehmens und finden Sie Wege für die HR-Abteilung, sich darauf auszurichten und Ihren Beitrag zu leisten. Was genau wollen wir im nächsten Jahr und in den nächsten fünf Jahren erreichen? Was müssen wir bezüglich Einstellung, Schulung, Entwicklung und aller anderen HR-bezogenen Projekte ändern, um diese Ziele zu erreichen? Wenn sich Ihr Unternehmen zum Beispiel darauf konzentriert, die Innovationsgeschwindigkeit zu erhöhen, dann ist es wichtig, richtig qualifizierte Mitarbeitende für das Produktentwicklungsteam einzustellen. HR-Kennzahlen wie Zufriedenheit des Personalmanagers (wie zufrieden ist der/die Vorgesetzte nach den ersten sechs Monaten) und Effizienz und Kosten der Schulung sind wichtig, um zu sehen, wie effektiv das Rekrutieren neuer Mitarbeitenden ist und wie schnell sie auf dem neuesten Stand sind. Wenn Ihr Unternehmen jedoch die Personalkosten senken und den Wissensstand im Unternehmen erhöhen möchte, könnte der Fokus der Personalabteilung auf der Mitarbeiterbindung liegen. Dann sind Metriken wie die Fluktuationsrate und die Zufriedenheit am Arbeitsplatz sehr wichtig.

  1. Die richtigen Systeme und Auswertungen einrichten

Wenn Sie wissen, welche Daten Sie zeigen und welche Ziele Sie erreichen wollen, dann müssen Sie die richtigen Systeme finden, um die erforderlichen Daten zu erfassen. Es gibt viele verschiedene Datenanalyse-Systeme, wie zum Beispiel Tableau oder Power BI, aber Sie könnten auch mit einer einfachen Excel-Analyse beginnen. Für die grösseren Programme gibt es oft eine Demoversion und Sie können sehen, ob Sie glauben, dass sie Ihnen die benötigten Informationen liefert.

  1. Schulen Sie Ihr Personal und/oder stellen Sie die richtigen Mitarbeiter ein

Sobald Sie die Software erworben haben, die Sie verwenden werden, müssen die Mitarbeitenden geschult werden und Sie müssen möglicherweise die Kompetenzen überarbeiten, die Sie derzeit im Unternehmen haben, um HR-basiert arbeiten zu können. Vielleicht müssen Sie die Unternehmenskultur ändern und die Angst beseitigen, datenbasiert zu arbeiten (erklären Sie die Vorteile und nehmen Sie die Angst davor, nach einer schlechten Woche gefeuert zu werden), vielleicht müssen Sie jemanden einstellen, der auf diesem Gebiet spezialisiert ist, aber eines ist sicher: Sie müssen Ihr Personal schulen und ihm erklären, wie man die Systeme benutzt und Datenfehler verhindert, da saubere Daten sehr wichtig sind und Ihnen helfen, die Daten effektiver zu nutzen.

  1. Lernen Sie, Ihre Ergebnisse zu verkaufen

All diese Analysen führen wir für eine Sache durch, nämlich die Ergebnisse und die Folgemassnahmen, die danach möglich sind. Die Art und Weise, wie Sie Ihre Daten präsentieren, sollte überzeugend und interessant, aber leicht verständlich und praktisch sein. Storytelling ist eine Möglichkeit, die Informationen zu vermitteln, indem man Emotionen und Aktionspunkte hinzufügt und zeigt, was passiert, wenn im Moment keine Massnahmen ergriffen werden. Sie müssen die Massnahmen, die zu ergreifen sind, Ihren Vorstandsmitgliedern verkaufen, also zeigen Sie ihnen nicht nur Zahlen, sondern präsentieren Sie ihnen Grafiken und beschreiben Sie ihnen die Zukunft. Seien Sie sich daher bewusst, dass Sie Ihre Mitarbeitenden einstellen oder schulen müssen, damit sie sowohl analytisch arbeiten als auch ihre Ergebnisse präsentieren können.

Die finanziellen Vorteile von HR Analytics

Wie schnell und in welchem Ausmass Sie Ihre Investition zurückverdienen werden, hängt von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel von der Schulung und Systemnutzung Ihres Personals, von der Grösse und Art Ihres Unternehmens, von der Weiterverfolgung der von Ihnen zu erstellenden Daten. Denn Daten zu sammeln und sie zu betrachten ist der erste Schritt. Danach müssen Sie die Daten in Geschichten, Strategien und zukünftige Pläne und Programme umsetzen. Das klingt zwar anstrengend und nach einer Menge Arbeit, aber denken Sie daran, dass Sie derzeit bereits dasselbe tun, nur ohne die Unterstützung von Daten.

Stellen Sie sich vor, Sie haben das Gefühl, dass Ihr Rekrutierungsprozess nicht effektiv ist. Sie machen einen Plan, um ihn zu ändern, wissen aber, dass damit hohe Kosten verbunden sind. Ohne jegliche Daten dahinter wird es wahrscheinlich schwierig sein, das Potenzial und später die tatsächlichen Auswirkungen aufzuzeigen. Wenn Sie jedoch nachweisen können, welchen Einfluss es auf die jährlichen Unternehmensziele einer Produktivitätssteigerung von 5% im gesamten Unternehmen haben wird, dann bekommen Sie wahrscheinlich grünes Licht. Menschen sind die Eckpfeiler unseres Unternehmens und wenn wir sie auf die effektivste Art und Weise ausbilden, unterstützen und an uns binden können, können wir den Output und die Rentabilität unserer Unternehmen enorm steigern und gleichzeitig Kosten für nutzlose Investitionen einsparen.

Natürlich steckt mehr dahinter, als ich hier beschreiben kann, und der Prozess wird von der aktuellen Situation Ihres Unternehmens abhängig sein. Beginnen Sie dennoch damit, zu akzeptieren, dass Human Resources nicht nur eine Soft-Skill-Abteilung ist, und fangen Sie an, in Wissen, Systeme und die richtigen Mitarbeiter zu investieren, um Ihr Unternehmen auf eine von Menschen und Daten geprägte Zukunft vorzubereiten.

Louise Koeckhoven arbeitet seit 5 Jahren in der Personalbeschaffung und Entwicklung und ihre Mission ist es, andere darin zu bestärken, die Extrameile zu gehen. Sie stammt aus den Niederlanden und lebt seit fast 3 Jahren in der Schweiz. Louise Koeckhoven weiss, wie man seine Schwächen bekämpft, indem man sich auf seine Stärken fokussiert, und wie man traditionelle Denkmuster durchbricht, indem man von neuen Personen und Kulturen lernt.

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